Palmöl – bedenklich in der Ökologie, aber beliebt in der Wirtschaft

Täglich landen Produkte mit Palmöl auf unserem Tisch, sei es Müsli, Schokolade oder Eiskonfekt. Um den riesigen Bedarf an diesem Rohstoff zu decken, werden in Südostasien und Afrika immens viele neue Plantagen errichtet, für die der Regenwald weichen muss. Das hat fatale Folgen – vor allem für die Tier- und Pflanzenwelt, die diese Landschaft Heimat sind. Fragt sich nur wie lange noch.

Affen sind besonders gefährdet

Allein in diesem Jahr wurden in Indonesien bereits mehr als 15 Millionen Hektar Regenwald abgeholzt. Das ist nicht nur für das Klima bedenklich, sondern vor allem für die Tierarten, die dort beheimatet sind. Während Wald ja grundsätzlich für den Luftaustausch und die Klimawerte positiv sind, gilt dies nicht für eine Palmölplantage. Diese verschmutzt die Atmosphäre im selben Ausmaß wie 22.000 Autos. Zudem müssen sich Tierarten wie die Orang-Utans, von denen etwa noch knapp 6000 auf Sumatra leben, mit dem Verlust ihres Lebensraumes arrangieren. Doch das gelingt nur schlecht, immerhin hat sich die Population der Menschenaffen hier in den letzten 20 Jahren um 40 Prozent verringert. Ähnlich könnte es nun auch den zentralafrikanischen Menschenaffen ergehen, von denen vor allem Gorillas besonders gefährdet sind. Forscher beschreiben in der Zeitschrift „Current Biology“, dass neben dieser Affenart auch Schimpansen und Bonobos in ihrer Lebensform bedroht sind.

In der Hälfte der Produkte ist Palmöl

Der Grund für die Krise ist schnell erklärt. Denn der Konsument trägt hier die Hauptverantwortung, immerhin möchte man ja geschmeidige Margarine oder auf der Zunge schmelzende Schokolade. Laut WWF kommt in fast der Hälfte aller Produkte in unseren Supermärkten Palmöl vor. Vor allem Nutella geriet letztens wegen dieses Umstandes in die Schlagzeilen und in die Kritik. Ferrero hat sich zuletzt dazu geäußert, und betont ausschließlich Palmöl aus nachhaltigem Anbau in seinen Produkten zu verwenden. Klar ist, dass vor allem cremige Süßigkeiten wie Schokolade aber auch Fertigprodukte und sogar Seifen Palmöl enthalten. Auch die bekanntesten Waschmittel enthalten diesen Stoff, ebenso wie viele Cremes und Kosmetika. Wie weit renommierte Firmen wie Ariel, Dove, Persil oder Uncle Bens und Knorr oder Erasco Palmöl aus verifiziertem Anbau verwenden, ist nicht bekannt und wird leider von den Herstellern auch nicht bekannt gegeben.

Palmöl hat viele Vorteile

Warum Palmöl so beliebt ist, ist schnell erklärt. Es hat eine ausgezeichnete Hitze- und Oxidationsstabilität, was es vor allem in Asien und Afrika zu eine beliebten Speisefett zum Kochen und Braten macht. Es enthält eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Carotinen und Vitamin E. Beim Anbau ist interessant zu wissen, dass der Ertrag der Pflanzen weitaus höher ist als bei herkömmlichen Öllieferpflanzen. Die genannten Vorteile des Rohstoffes haben Firmen längst erkannt und setzen es in den letzten Jahren immer öfter ein. Die Folgen, vor allem für die Natur, sind dabei verheerend. Seit 1973 verschwand auf Borneo knapp ein Drittel des Waldes.

Auch Biodiesel wird aus Palmöl gewonnen

Die meisten der gerodeten Wälder werden anschließend für den Palmenanbau genutzt. Das wird immer lukrativer, denn neue Geschäftsfelder und Industriezweige haben das Potential erkannt. Der französische Mineralölkonzern Total zum Beispiel rüstet seine Raffinerie in La Mède um, um aus Palmöl Biodiesel herzustellen. Doch das ist genau Teil des Problems, wie Klaus-Peter Stahmann von der BTU Cottbus warnt. Denn statt weiter Öle zu verbrennen, sei es wirtschaftlicher gleich auf Fotovoltaik zu setzen. Sonnenenergie habe einen wesentlich höheren Wirkungsgrad und schont Natur und Geldbeutel. Klar ist, dass Palmöl einen wesentlich höheren Ertrag als etwa Raps liefert. Ein Hektar Plantage mit Palmen bringt einen Ertrag zwischen vier und sechs Tonnen Öl jährlich, während Raps nur 1,5 bis 2,5 Tonnen pro Jahr bringt. Wenigstens hat man sich hierzulande dazu durchgerungen, dass Palmöl zur Herstellung von Biodiesel ausschließlich aus nachhaltigem Anbau und Produktion stammen muss. Ein kleiner Trost für den Regenwald und die darin lebenden Affen, aber immerhin ein Anfang.

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Maik Justus