Die Onlinewelt der Kinder beginnt früher als gedacht

Lesen und schreiben ist noch nicht ihr Ding, doch im Netz surfen – das funktioniert bereits. Eine Studie des Deutschen Institutes für Vertrauen und Sicherheit im Internet, kurz DIVSI genannt, hat in Kooperation mit dem Sozialforschungsinstitut Sinus Daten erhoben, die so manche Eltern staunen lassen.

Jedes dritte Kleinkind ist bereits online

Die Studie „Kinder in der digitalen Welt“, die von den beiden Gremien erarbeitet wurde, hat teilweise erschreckende Zahlen ergeben. So etwa ist in der Gruppe der Drei- bis Achtjährigen bereits jeder Dritte im Internet aktiv. 1,2 Millionen der Kinder gehen bereits regelmäßig online. Bei den Dreijährigen liegen die Jungs in Front, da sind es 12 Prozent, die früh das WWW für sich entdecken. Bei den Mädchen sind es in dieser Altersgruppe immerhin 9 Prozent. Sie konsumieren dabei Internet Videos, spielen oder hören sich Kinderlieder an. Bevorzugte Portale sind Youtube und ähnliche Videokanale.

Ältere nutzen bereits Suchmaschinen

Sind die Kinder etwas älter, beginnen sie auch über Suchmaschinen zu recherchieren. Vor allem Mädchen sind hier aktiv, die über die Internetsuchmaschine „Frag Finn“ stärkeres Interesse zeigen als Jungen. Erstaunlicherweise nutzen die Kiddy in diesem Alter auch bereits Google und wie bereits erwähnt Youtube, die ja bekanntermaßen keine ausgewiesenen Kinderseiten sind. Jungs, die zwischen drei und acht Jahre alt sind, bevorzugen die Spieleseiten im Internet, wie etwa die Seite „Toggo“, die Onlinespiele unterschiedlichster Art anbietet.

Technische Ausstattung keine Frage des Geldes

Die Studienautoren haben aber auch herausgefunden, dass die Kinder von heute durchwegs mit Spielkonsolen, PCs und Smartphones gut ausgestattet sind. Auch der Zugang zum Internet ist in den meisten Elternhäusern – egal welche soziale Schicht – keine Frage des Geldes. Selbst Eltern mit geringem Einkommen versorgen ihren Nachwuchs mit den entsprechenden technischen Geräten. Damit ist klar, dass das was früher Markenjeans und Sneakers als Statussymbol der Kleinen waren, heute längst Smartphone und Co. sind. Wobei gerade beim Handy natürlich jeweils die aktuellste Version gefragt ist, die auch noch die richtige Ziffernkombination am Ende der Produktbezeichnung aufweisen muss.

Eltern sehen Internet eher misstrauisch

Ob der Nachwuchs bereits früh online gehen darf oder kann, hängt davon ab, welche Einstellung die Eltern zur digitalen Welt und zum Internet haben. Grundsätzlich sehen diese aber die Nutzung eher als Risiko an denn als Chance für die Kinder. Insgesamt ergab die Studie, dass zwei Drittel der Eltern ihren drei- bis achtjährigen Kiddys deshalb auch den Weg ins Internet absolut verbieten. Als größte Gefahr wird das Herunterladen nicht kindgerechter Inhalte sowie der mögliche Kontakt zu Unbekannten, aber auch etwaiges Cyber-Mobbing gesehen.
Klar ist aber auch, dass die Kinder heutzutage kaum mehr die Hilfe der Eltern benötigen, um ins Internet zu gelangen. Zwei Drittel können eine Seite ohne weiteres selbstständig aufrufen.

Mit elf sind fast alle online

Spätestens mit 11 Jahren sind fast alle Kinder online. Das ergab die erst kürzlich durchgeführte Umfrage des Digitalverbandes Bitkom. Dieser befragte im Januar 2015 962 Kinder und Jugendliche, die zwischen sechs und 18 Jahre alt sind. Zehn- und Elfjährige verbringen durchschnittlich 22 Minuten täglich online, wobei jeder Zehnte dabei auch in sozialen Netzwerken aktiv ist. Bei den Zwölf- bis Dreizehnjährigen sind es dann schon 42 Prozent und bei den Vierzehn- bis Fünfzehnjährigen gehen 65 Prozent täglich online. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahre sind mit 85 Prozent bei den Internetusern vertreten.

Mit zwölf ist das Smartphone Pflicht

Mit zwölf, spätestens aber 13 Jahren haben 84 Prozent der Jugendlichen bereits ein Smartphone. Sie nutzen es hauptsächlich um SMS zu versenden, entweder über einen diesbezüglichen Onlinedienst oder aber über WhatsApp. 93 Prozent der Zehn- bis Achtzehnjährigen spielen vor allem Video- und Computerspiele, wobei Jungs durchschnittlich 122 Minuten, Mädchen hingegen nur 82 Minuten Zeit damit verbringen. Laut Bitkom Studie war bereits jeder siebte Jugendliche schon einmal mit Mobbing im Internet konfrontiert.

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Maik Justus