Kann Diclofenac Frauen unfruchtbar machen?

Der Wirkstoff Diclofenac hat sich als Schmerzmittel bewährt, vor allem für Patienten, die unter Rückenschmerzen und Rheuma leiden, ist Diclofenac ein Mittel, das gerne von den Ärzten verschrieben wird. Jetzt gibt es eine aktuelle Studie, die das Schmerzmittel in ein ganz anderes Licht rückt, denn nach dieser Studie steht Diclofenac unter dem Verdacht, Frauen unfruchtbar zu machen. Der Wirkstoff Diclofenac wird in Form von Tabletten und als schmerzstillendes Gel angeboten und kann unter anderem in der Apotheke auch ohne Rezept gekauft werden. Ist das Knie geprellt oder der Rücken gezerrt, dann verspricht das Mittel schnelle und effektive Hilfe, aber es kann sich, wenn die Studie recht behält, auch sehr ungünstig auf die weibliche Fruchtbarkeit auswirken.

Beunruhigende Versuche

Auf dem Jahrestag der Liga gegen Rheuma wurde die neue Studie von einem italienischen Arzt vorgestellt und sie sorgte für Aufsehen. Laut Studie wurde in Tierversuchen nachgewiesen, dass nicht nur der Wirkstoff Diclofenac, sondern auch andere nichtsteroidale Antirheumatika wie Etoricoxib und Naproxen dafür zuständig sein können, dass die weibliche Fruchtbarkeit gestört wird.

Für die Studie wurden 39 Frauen im furchtbaren Alter ausgesucht, die wegen rheumatischer Beschwerden oder wegen Rückenproblemen in einem Krankenhaus in Behandlung waren. Die Probandinnen bekamen gegen ihre Beschwerden entweder 100 mg Diclofenac, 90 mg Etoricoxib jeweils einmal am Tag, oder 500 mg Naproxen zweimal am Tag. Mit der Einnahme wurde am zehnten Tag des Zyklus begonnen und ab diesem Tag maßen die Ärzte jeden Tag den Spiegel des Hormons Progesteron im Blut und bestimmten mit der Hilfe von Ultraschall den Durchmesser der Eizelle. Zeitgleich gab es eine Kontrollgruppe von Frauen, die keine Probleme hatten und auch keine Medikamente bekamen.

Einschränkungen der Fruchtbarkeit

Nach einem Zeitraum von zehn Tagen wurden dann alle Frauen erneut untersucht. Bei der Gruppe von Frauen die Tabletten bekommen hatte, stellte sich heraus, dass sie signifikante Einschränkungen der Fruchtbarkeit hatten. Normalerweise steigt der Spiegel des Hormons Progesteron in der zweiten Hälfte des Zyklus an, da sich die Gebärmutter auf die Einnistung einer Eizelle einstellt, bei den Studienteilnehmerinnen, die Diclofenac genommen haben, war der Hormonspiegel aber deutlich niedriger.

Was allerdings noch gravierender ist, das ist die Tatsache, dass alle Frauen in der Kontrollgruppe einen Eisprung hatten, bei den Frauen die Diclofenac genommen hatten, waren es aber nur sechs Prozent. Noch alarmierender war die Zahl bei den Frauen, die Naproxen oder Etoricoxib eingenommen hatten, denn in dieser Gruppe hatte nur jede vierte Frau einen Eisprung.

Die neue Studie hat zwar nur einen kleinen Umfang, da nur wenige Frauen haben daran teilgenommen und auch der Zeitraum war im Verhältnis zu anderen Studien dieser Art zu kurz, aber die Ergebnisse müssen dringend weiter untersucht werden.

Forschungen für die Zukunft

Es müssen nicht immer die renommierten Kliniken und Universitäten in Europa oder den USA sein, die mit neuen Studien für Aufmerksamkeit sorgen. Die aktuelle Studie wurde von einem Arzt im Krankenhaus der Universität von Bagdad im Rahmen einer Medikamentenstudie durchgeführt, aber sie ist so aufschlussreich, dass sich Rheumatologen aus den USA und Europa damit befassen. Diese führenden Spezialisten wollen die Studie fortsetzen und die Untersuchungen erweitern. Neue Studien, die auf den Ergebnissen aus Bagdad fundieren, sind über einen längeren Zeitraum ausgelegt, es werden mehr Frauen daran teilnehmen und sie soll, was den Umfang angeht, größer werden. Aber schon jetzt steht nach Meinung von Experten fest, dass alle Frauen, die ein Medikament wie Diclofenac über einen langen Zeitraum dauerhaft einnehmen, mehr Schwierigkeiten haben werden ein Kind zu bekommen als die Frauen, die keine entsprechenden Medikamente einnehmen. Experten sind der Meinung, dass es sinnvoll sein kann, Frauen, die sich ein Kind wünschen und die regelmäßig Diclofenac nehmen, von einem Gynäkologen beobachten zu lassen.

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Maik Justus