Werden wir in zehn Jahren ohne Bargeld leben?

Immer mehr Finanzexperten sind der Ansicht, dass wir uns in zehn Jahren darauf einstellen müssen. Jetzt hat sich auch John Cryan, der Co-Chef der Deutschen Bank, in diese Diskussion eingeschaltet, denn auch er ist der festen Überzeugung, dass Bargeld ineffizient und vor allen Dingen viel zu teuer ist. Seine Bank, so John Cryan, arbeite schon seit längerer Zeit an einer Alternative zu Scheinen und Münzen.

Der Anfang ist gemacht

Am 1. Februar 2016 wird die kleine niederrheinische Stadt Kleve Geschichte schreiben, denn als erste Stadt in Deutschland wird Kleve die sogenannten „Kupferlinge“, also die Münzen zu ein, zwei und fünf Cent abschaffen. Damit ist vielleicht schon der erste Schritt in Richtung bargeldlose Zukunft gemacht. Ganz ohne Bargeld leben, das können sich heute auch die Einwohner von Kleve nicht so recht vorstellen, aber das erfolgreiche Beispiel aus den benachbarten Städten in den Niederlanden hat die Klever überzeugt, es ohne Kupfergeld zu versuchen.

Ohne Bargeld leben – wie sehen die Alternativen aus?

Wenn wir ohne Bargeld leben müssen, wie werden wir dann in der Zukunft bezahlen? Die digitale Währung Bitcoin wäre eine Möglichkeit, auch wenn John Cryan darüber etwas anders denkt. Bitcoin hat sich seiner Meinung nach noch nicht durchgesetzt und wird es sehr wahrscheinlich auch in der Zukunft nicht schaffen. Das Gleiche gilt auch für Blockchain, eine Technologie, der Cryan ebenfalls sehr skeptisch gegenüber steht. Blockchain wird eine Datenbank genannt, die von den Teilnehmern eines Transaktionssystems gemeinsam geführt wird und die besonders transparent sein soll. Auch wenn John Cryan Blockchain ablehnt und der Datenbank wenig Potenzial zutraut, es wird bei der Deutschen Bank dennoch überlegt, wie das System für die eigenen Initiativen genutzt werden kann.

Bargeld hilft der Kriminalität

Ohne Bargeld leben, heißt nach Ansicht von Experten, auch effektiv die weltweite Kriminalität zu bekämpfen. Bargeld hilft dabei, schmutziges Geld wieder sauber zu waschen, zum Beispiel aus Waffen- oder Drogengeschäften. Wenn wir ohne Bargeld leben, dann hätten diese Verbrecher keine Chance mehr, ihre Geschäfte zu verschleiern. Für das Argument ohne Bargeld leben spricht auch, dass es ohne Bargeld auch keine Korruption im klassischen Sinne mehr geben wird. Gelder, die von einem Konto zum anderen wandern, können jederzeit nachverfolgt werden, bei Bargeldzahlungen ist das aber unmöglich.

Brauchen wir überhaupt noch Bargeld?

Wer gerne auf dem Wochenmarkt einkaufen geht, der wird ohne Bargeld nicht auskommen und auch für den Besuch auf dem Flohmarkt ist bares Geld ein Muss. Alle, die am Sonntag in die Kirche gehen und etwas in den Klingelbeutel werfen möchten, müssen Münzen oder Scheine in der Geldbörse haben, mit einer Kreditkarte kann in der Kirche keiner zahlen. Nicht zu vergessen das Trinkgeld im Restaurant oder in der Kneipe, denn die meisten wollen sich für einen guten Service mit barer Münze bedanken.

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Ulrike Dietz