Der VIP-Service der Bahn wird abgeschafft

Der VIP-Service der Bahn wird abgeschafft

Über die zu schimpfen, ist einfach. Ein mit Mängeln, kaputte Heizungen oder Klimaanlagen, aber vor allem die , die sich Minute um Minute aufbauen, sind nur eine kleine Auswahl. Wer allerdings eine „hochgestellte Persönlichkeit“ ist, muss sich keine Sorgen machen, denn diese Fahrgäste genießen den Service der Bahn mit allen Annehmlichkeiten. Jetzt will diesen besonderen Service aber abschaffen.

Viele VIPs

Über den VIP-Service der Bahn wussten bislang nur wenige Personen Bescheid. Seit dem 1. Februar 2020 gibt es aber, nach den Richtlinien des Konzerns, „Reisen nach Sondervorschrift, Version 5.0“. Nach internen Dokumenten, die dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ vorliegen, ist der VIP-Reiseservice der AG exklusiv dafür verantwortlich, dass Reisen für die vielen VIPs und anderen hochgestellten Persönlichkeiten präzise geplant und immer erfolgreich durchgeführt werden. Die Züge müssen für diese sehr wichtigen Fahrgäste „in bestem Zustand und gründlich gereinigt sein“. Die technischen Komponenten haben zu funktionieren und auch eine „korrekte Wagenreihung“ ist wichtig. Diese Leistungen sollten eigentlich kein VIP-Service der Bahn sein, sondern die normale Leistung für alle, die für teures eine Fahrkarte kaufen.

Wer gehört zu den Premium-Kunden der Bahn?

Wer sind die „höher gestellten Persönlichkeiten“, die nur in den Zügen sitzen, die ohne größere Verspätungen an ihr Ziel kommen? Neben einer Reihe prominenter Zeitgenossen sind es vor allem Spitzenpolitiker sowie die Aufsichtsräte und Vorstände von großen Unternehmen. Dass die Züge, mit denen diese wichtigen Personen fahren, immer pünktlich sein sollen, hat natürlich Auswirkungen auf den Zugverkehr, mit dem die „normalen“ Fahrgäste unterwegs sind. Fast jeder, der schon einmal Bahn gefahren ist, kennt die Lautsprecherdurchsagen, dass „der zum Halten gekommen ist, um einem anderen Fernverkehrszug die Vorfahrt zu gewähren“. Die VIPs in diesem „anderen Fernverkehrszug“ sitzen, hören keine Lautsprecherdurchsage, sie kommen immer pünktlich ans Ziel.

So schnell wie möglich abschaffen

Eine solche Einteilung in zwei verschiedene Gruppen von ist nicht nur unfair, nach vieler ist es schlichtweg eine Unverschämtheit. Offensichtlich hat das jetzt auch die Deutsche Bahn erkannt. Diese Sondervorschriften für die Prominenz sind nach Aussagen der Bahn „etwas aus der Zeit gefallen“ und „seien nicht mehr vermittelbar“. Selbst wenn der Sonderservice jetzt wegfällt, was bleibt, ist immer noch ein sehr fader Beigeschmack. Warum hat die Bahn diese ungleiche Behandlung ihrer Fahrgäste vor zwei Jahren überhaupt eingeführt? Die Antwort macht sprachlos: Die Bahn wollte damit das „Image als Verkehrsunternehmen“ stärken. Menschen mit Macht oder Einfluss wurde also vorgespielt, dass bei der Bahn alles super läuft und dass es keine Probleme gibt. Die „einfachen“ Leute haben also überhaupt keinen Grund, zu meckern.

Fazit

Wer sich bei der Bahn diesen Unsinn hat einfallen lassen, ist nicht bekannt, aber die Idee war alles andere als gut. In diesem Fall agiert die Deutsche Bahn AG wie ein Kind, dem die Mutter sagt, es solle sein Zimmer aufräumen. Das bockige Kind schiebt seine Sachen aber einfach nur unter das Bett und präsentiert der Mutter das vermeintlich ordentlich aufgeräumte Zimmer. Dass das Problem damit noch lange nicht gelöst ist, wird auch das Kind schnell merken. Die Bahn sollte kein Scheinbild für prominente Zeitgenosse entwerfen, sondern allen, die mit ihr fahren, ein echtes Reiseerlebnis gönnen.

Bild: © Depositphotos.com / rissix

Ulrike Dietz